Deutscher Buchhandlungspreis

Gestern wurde in Hannover der Deutsche Buchhandlungspreis 2017 verliehen und ich freue mich, das so viele geschätzte Kollegen deutschlandweit damit bedacht wurden. Besonders freue ich mich aber für die Buchhandlung v. Mackensen in Wuppertal und die Buchhandlung van Wahden in Wermelskirchen.

2003 beendete ich meine Ausbildung in Frankfurt und suchte notgedrungen eine erste Stelle, da Hugendubel uns nicht übernehmen konnte und im Internet stieß ich auf eine Stellenanzeige mit lediglich einer Emailadresse und einem vagen Postleitzahlenbereich. Nach einer Kurzbewerbung bekam ich die Aufforderung eine ausführlichere Bewerbung zu schicken und die Auflösung, wo genau sich die Buchhandlung befand:

„Mit freundlichen Grüßen

Michael Kozinowski

Buchhandlung v. Mackensen, Wuppertal“

Ich durfte im Januar zum Vorstellungsgespräch und Probearbeiten kommen und bereits am 15.2.2003 hatte ich meinen ersten Arbeitstag. Ich erinnere mich noch, dass Herr Kozinowski sich sehr amüsierte, da ich meinen eigenen Füller zur Vertragsunterzeichnung dabei hatte.

In den folgenden Jahren lernte ich noch einmal eine völlig andere Form des Buchhandels kennen. Aus der Anonymität der großen Filialbuchhandlung, rein in die klassische Schule. Hugendubel hatte mir den buchhändlerischen Grundstock und das Fachwissen gegeben, bei Herrn Kozinowski bekam ich den Feinschliff, den eine gute Buchhändlerin ausmacht.

Bewundernswert an ihm ist, dass er sich nie unterkriegen lässt und immer wieder neue Ideen entwickelt um die Buchhandlung ins Gespräch und in den Fokus zu bringen und Synergieeffekte zu nutzen. Seine Kreativität zeigt sich täglich, sei es in den Schaufenstern oder der Werbung, denn Herr Kozinowski macht fast alles selbst. Und nebenbei macht er sich noch für das Viertel, den Buchhandel und die Kultur stark. Da wundert man sich ehrlich, wie 24 Stunden überhaupt reichen.

Und auch wenn es nicht immer leicht war und wir desöfteren mal aneinander geraten sind, bin ich ihm bis heute dankbar, denn ohne ihn wäre ich nicht die Person, die ich heute bin.

Aber nach acht Jahren brauchte ich dann doch einen Tapetenwechsel und ging nach Remscheid. Und da lernte ich Gabriele van Wahden kennen.Wenn auch erstmal gar nicht persönlich, sondern nur aus Erzählungen, denn sie und ich arbeiteten für dasselbe Unternehmen und Gabi hatte es gewagt zu kündigen. Aber nicht nur das, sie hatte den Mut besessen in einer Kleinstadt nicht nur zu kündigen, sondern auch noch eine eigene Buchhandlung nicht weit entfernt von ihrem alten Arbeitgeber zu eröffnen. Wow!

Insofern wurde sie ein bisschen zu sowas wie Lady Voldemort in unserem Unternehmen. Dann meldete ich mich zum Kinder-und Jugendbuchseminar an und konnte anhand der Teilnehmerliste sehen, das Gabi auch angemeldet wurde. Gebrieft von der Geschäftsleitung ja keine Internas an Lady Volde…ähh Frau van Wahden weiterzugeben (warum sollte ich das auch tun??) fuhr ich also nach Fulda und war sofort begeistert von dieser lebensfrohen, dynamischen Frau, die einfach auch für Bücher und besonders Kinderbücher brennt. Gabi hat zum Beispiel einen Leseclub mit einer Hauptschule gegründet und lässt ihre komplette Kundschaft regelmäßig stricken, denn der einmal jährlich gewählte „Wermelskirchener Lesekünstler“ bekommt als Zeichen seines Amtes einen sehr langen Schal.

Gabi strahlt eine unglaubliche Herzlichkeit aus, mit der sie einfach jeden für sich begeistert und hat mir mit so vielen Ratschlägen geholfen, den richtigen Weg zu finden. Ich bewundere ihren Mut, ihre Kraft , ihre Liebe für die Dinge, die sie tut und ihre Achtung und Anerkennung ihrem Team gegenüber. Insofern ist sie immer ein großes Vorbild für mich.

 

Ich gratuliere diesen beiden Menschen sehr herzlich zu dem sowas von verdienten Buchhandlungspreis 2017 und danke euch für alles!

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Foto: Buchhandlung v. Mackensen

(Und ich brauche doch gerade ein Taschentuch, irgendwer schneidet wohl gerade Zwiebeln….schnief)