Die Königinnen der Würstchen

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Heute ist der letzte Tag der Frankfurter Buchmesse und ich bin immer noch am Eindrücke sortieren und verarbeiten. Doch dazu kommt noch ein extra Beitrag.

 

Bereits vor der Messe las ich das passende Buch zum diesjährigen Gastland Frankreich:

„Die Königinnen der Würstchen“ von Clémentine Beauvais, auf das ich sehr neugierig war. Denn es wurde immer mal wieder in Gesprächen mit BuchhändlerkollegInnen empfohlen. Insofern wanderte es ganz oben auf meinen Stapel und wurde dann auch in Nachtschicht in einem Rutsch durchgelesen.

Es geht um Mireille, die von ihren Mitschülern auf Facebook zur „Wurst des Jahres“ gewählt wird, sprich zum hässlichsten Mädchen der Schule. Da es bereits das dritte Mal ist, ärgert sie das nicht mehr wirklich, sie ist eher neugierig darauf, wer sie dieses Jahr auf Platz drei und somit zur Bronzewurst degradiert hat. Und so lernt sie Astrid und Hakima kennen, die ihre Auszeichnung nicht ganz so mit Würde tragen, wie Mireille.

Die drei pubertierenden Mädchen beschließen aus teils sehr unterschiedlichen Gründen mit dem Fahrrad nach Paris zu fahren/fliehen(?) um dort die große Nationalfeiertagsarty im Elysée-Palast zu crashen. Finanzieren wollen sie das ganze passenderweise durch den Verkauf von Würstchen auf ihrer Strecke. Nach anfänglichem Widerstand der Eltern machen die drei sich in Begleitung von Hakimas großem Bruder, einem ehemaligen Soldaten, auf den Weg und erlangen innerhalb kürzester Zeit mehr Aufmerksamkeit, als sie jemals geahnt hätten.

 

Ich hatte anfänglich wirklich Schwierigkeiten in den Roman reinzukommen, da der Schreibstil irritiert. Aber je näher man Mireille kennenlernt, die die Geschichte erzählt, versteht man dieses in der Blüte ihrer Pubertät stehende Wesen, dass durch ihre bisherige Geschichte doch recht großmäulig und damit unnahbar durchs Leben geht. Dadurch versteht man aber eben auch schnell, wie sie auf andere wirkt, aber mit der Zeit lernen wir dann die Mireille hinter diesem verbal um sich schlagenden Teenagers kennen.

Erfrischend an „Die Königinnen der Würstchen“ ist die Bodenständigkeit der Geschichte. Hier werden keine dicken Mädchen zu Schönheitsköniginnen (genau über diesen Plottwist wird sich in einem Kapitel lustig gemacht), sondern die Mädchen wachsen durch Selbstakzeptanz über sich hinaus. Sie nehmen das Label, das man ihnen verpasst nicht an oder tragen es als Bürde, sondern sie tragen es als Auszeichnung und werden zu Königinnen. Klar, verändert sich jede von Ihnen auf ihrer Reise ein bisschen, aber sie sind immer noch sie selbst. Und das tut in Zeiten von immer erschreckenderen Schönheitsidealen, Selbstinszenierungen im Internet (und dem damit verbundenem Druck) und besorgniserregendem Schlankheitswahn sehr sehr gut.

Ich musste im Laufe der Lektüre mehrmals an „Gretchen Sackmeier“ von Christine Nöstlinger denken, quasi die feministische Jugendliteratur meiner Pubertät.

Die Geschichte hinterlässt nach der Lektüre einfach ein gutes Gefühl und nach dem Epilog möchte man die drei Mädels einfach nur ganz feste drücken und sagen „Ich bin so stolz auf euch und die Frauen, die ihr im Begriff seid zu werden.“.

Insofern freue ich mich sehr, dass der Roman für den „Prix des lycéens allemands 2017“ nominiert wurde.

 

Clémentine Beauvais

Die Königinnen der Würstchen

Carlsen Verlag

ISBN/EAN: 9783551556776

 

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