Wonder Woman

Letzte Woche habe ich endlich Wonder Woman gesehen. Seit Monaten hatte ich mich auf diesen Film gefreut, nicht nur weil ich großer Comic- und SuperheldInnenfan bin, sondern auch wegen der sehr positiven Berichterstattung, die großartiges verhieß, sprach sie doch von Massen an weinenden Frauen in den Kinosälen. Eine Frauendarstellung, die es im Film bisher so nicht gab. Feministischer Meilenstein…puh!

Ich war selten so enttäuscht! Klar, „Wonder Woman“ ist ein sehr unterhaltsamer Actionfilm, aber diese stolze Amazone ist wieder ein Produkt der Männer, die sie umgeben. Es ist ein Mann, weswegen sie die Insel verlässt, der bestimmt, wo sie hingehen und dessen Tod sie erst zur Heldin werden lässt. Nee, so war das alles nicht wirklich gedacht.

Und da ich kurz vorher die Romanversion „Wonder Woman“ von Leigh Bardugo angefangen hatte und bereits ahnte, dass der Weg hier ein anderer werden würde, stürzte ich mich in das Buch.

Dianas Geschichte ist hier in einer ganz anderen Zeit angesetzt, nämlich in der Gegenwart und auch hier strandet ein Mensch an den Ufern von Themyscira, aber es ist eine junge Frau. Alia ist eine Nachfahrin der schönen Helena und damit eine Kriegsbringerin, die dazu verflucht ist, die Welt ins Verderben zu stürzen. Doch es gibt eine Hoffnung, sie von diesem Fluch reinzuwaschen und Diana zögert keinen Moment um Alia nach Griechenland zu bringen und sie und die Menschheit zu retten.

 

Leigh Barduos Diana ist sehr viel menschlicher als die Filmversion und natürlich auch vielschichtiger, erfahren wir doch sehr viel mehr über ihren persönlichen Kampf auf der Insel der Amazonen, da sie die einzige „geborene“ Amazone ist, während alle anderen einen heldenhaften Tod starben und dann auf Themyscira wiedergeboren wurden. Diana muss sich permanent beweisen, sowohl ihren Schwestern , als auch ihrer Mutter Hippolyta gegenüber. Die Rettung Alias ist für sie die Möglichkeit sich einen Platz unter den Amazonen zu verdienen.

Was mich an dem Buch so beeindruckt, ist dass Diana wirklich jedem auf Augenhöhe begegnet und gleichberechtigt gegenübertritt. Sie muss sich vor niemandem klein machen. Die Begegnungen und Konflikte in der Geschichte zeigen den jungen LeserInnen eine tatsächlich andere Art Heldenhaftigkeit, als das sonst der Fall ist. Und auch ihre neugewonnenen Freunde sind eher das genaue Gegenteil von dem was man als coole Truppe ansehen würde. Dianas Antriebskraft wird die Liebe zu ihren Freunden, für die sie bereit ist fast alles aufzugeben. Aber eben ohne dabei sich selbst zu verlieren. Der Knackpunkt ist, dass sich keiner verstellen oder ändern muss.

 

Ich merke gerade mal wieder, dass es mir schwerfällt, die richtigen Worte zu finden. Das passiert mir meist, wenn mir ein Buch besonders wichtig ist, da ich Sorge habe, nicht gut genug ausdrücken zu können, was die Geschichte so hervorhebt.

Ich wünsche mir mehr Bücher dieser Art, weit entfernt vom Muster Prinzessinnencasting, Makeover, hässliches Entlein wird ein schöner Schwan. Diana stellt manifestierte gesellschaftliche und geschlechtsspezifische Dinge mit einer Beiläufigkeit in Frage, bei der man laut Beifall klatschen möchte. Das hätte ich mir so sehr von der Verfilmung gewünscht, in der sie immer wieder in Slapstick- und Klischeeerfüllende Situationen („Ein Baby!!“)  gestoßen wird, um ihr eben was von ihrer Stärke zu nehmen.

Kann bitte jemand schnell die Filmrechte erwerben? Diese Version von Wonder Woman muss in die Kinos! Allein all den jungen Mädchen zur Liebe, die gerade wieder durch Heidi Klum und ihre unsägliche Topmodel-Maschinerie in ein Meer von Selbstzweifeln und Bodyshaming geworfen werden. Ihnen allen sollte man dieses Buch in die Hand drücken mit den Worten „Ihr alle seid Wonder Women! Glaubt an euch und eure Schwestern!“

Man merkt „Wonder Woman“ an, dass manche Geschichten einfach besser von Frauen geschrieben werden. Die Autorin Leigh Bardugo wurde in den letzten Jahren durch ihre „Grischa“-Reihe bei Carlsen bekannt, die mich ebenfalls schon sehr überzeugte. Und bitte, bitte, lasst sie die Wonder Woman Bücher weiterschreiben. Es warten noch weitere Aufgaben auf Diana.

Ich freue mich jedenfalls auf die weiteren Bände aus der DC-Icons-Superhelden-Serie, denn es sind weitere geplant, die ebenfalls von tollen AutorInnen geschrieben werden. Uns erwartet noch

„Batman“ in der Version von Marie Lu, bekannt durch die „Legend“ und „Young Elites“-Bücher. Die Frau kann Action und Fantasy.

„Catwoman“ aus der Feder von Sarah J. Maas, ebenfalls eine überzeugende Fantasyautorin und

„Superman“ von Matt de la  Peña, von dem ich bisher noch nichts kenne.

Aber jetzt holt erstmal die Lassos raus und erobert euch die Welt!

„Schwester im Kampfe, ich bin dir Schild und Klinge. Solange ich atme, werden deine Feinde keine Zuflucht kennen. Solange ich lebe, ist deine Sache die meine.“

 

Leigh Bardugo

Wonder Woman- Kriegerin der Amazonen

DTV

ISBN 978-3-423-76197-0

ab 13 Jahren