Antje Herden: Wir Buddenbergs

 

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Aufgewachsen bin ich ja in einer Kleinstadt in Hessen in den 80er Jahren und tatsächlich waren wir immer ein bisschen sowas wie Exoten, denn meine Mama war alleinerziehend. Und nicht nur das, mein Bruder und ich waren auch noch von zwei verschiedenen Männern. Ein Skandal. Das Prinzip Patchworkfamilie war bei uns quasi damals schon Normalität und wahrscheinlich hätte sich meine Mum wunderbar mit Mias Mutter verstanden oder die beiden hätten direkt eine WG gegründet.

 

Mia ist die Protagonistin in Antje Herdens neuem Roman “ Wir Budenbergs – Der Schatz, der mit der Post kam“.

Mia lebt zusammen mit ihrer Mutter, Opipi, ihrem großen Bruder Joshua  und den Zwillingen zusammen in einer alten Villa. Und auch hier haben alle Kinder einen eigenen Vater. Der Vater von den Zwillingen wohnt zum Beispiel mit seiner neuen Frau und deren Tochter direkt gegenüber. Joshuas Vater ist Seemann und schreibt Postkarten von seinen langen Reisen und Mias Papa ist gestorben, als sie noch klein war.

In Mias erstem Abenteuer kommt ein uralter Brief bei den Buddenbergs an, der von einem versteckten Schatz spricht und natürlich macht sich die gesamte Familie auf die Suche.

Dabei entdecken sie nicht nur völlig neue Ecken in ihrer Villa, sondern kommen auch hinter das Geheimnis von Opipis streng verbotenem Kellerraum.

Man muss die Buddenbergs einfach gern haben. Die einzelnen Charaktere sind so liebevoll gezeichnet mit all ihren Schrulligkeiten und kleinen Macken. Und trotzdem wirken sie alle vollkommen real und in keinster Weise überzogen.

Allen voran Mias Mama, die in etwas chaotischer Weise den ganzen Haufen zusammenhält. Es ist eben auch nicht leicht vier Kinder alleine groß zu ziehen und dafür zu sorgen, dass sie nichts vermissen.

Besonders schön ist die Episode mit den Hamstern der Zwillinge, die praktischerweise einfach beide Trixi heißen, so gibt es auch keinen Streit.

Beim Lesen dachte ich immer wieder, wie sehr ich mir dieses Buch als Kind gewünscht hätte, da die Geschichte die Andersartigkeit der Familie einfach als völlige Normalität in darstellt. Und sogar die garstigen Nachbarinnen gezähmt werden.

Wenn bei uns Familienfeiern waren und alle Väter und Exmänner mit ihren neuen Lebensgefährtinnen und Kindern bei uns an einem Tisch saßen, war das bei den Nachbarn wiedermal ein gefundenes Fressen, für uns aber Normalität. Und man war auch ab und zu ein bisschen stolz, wenn man bei der Aufzählung sämtlicher (Stief)Geschwister schonmal auf dreizehn Kinder kam.

Und ich habe mich dran gewöhnt, dass ich bis heute Zeichnungen anfertigen muss, wenn ich versuche jemandem meine Familienstrukturen zu erklären. Leider sieht mein Stammbaum aber nie so hübsch aus, wie die Zeichnungen von Florentine Prechtel, die es im Buch immer wieder schafft, den Zauber der Buddenbergs in Bildern einzufangen.

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Ich freue mich auf viele weitere Abenteuer mit den Buddenbergs, denn sie haben alles was man sich in Kinderbüchern wünscht: Liebevolle Charaktere, schöne kindgerechte Abenteuer (ohne Hollywoodanspruch), Schrulligkeit und Fantasie.

Ein Hoch auf all die Mütter da draußen, die ihre Kinder zwar alleine, aber deswegen keineswegs schlechter großziehen. Und besonders auf all die erwachsen gewordenen Pippi Langstrumpfs, die sich niemals ihre Fantasie und ihren Zauber haben nehmen lassen, von dem was man so Leben nennt.

Danke Antje, dass du sie siehst! ❤

 

Antje Herden: Wir Buddenbergs – Der Schatz, der mit der Post kam

KJB
ISBN/EAN: 9783737341097
Umfang: 208 S.
Lesealter: Lesealter: 8-99 J.

 

 

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