Kristina Aamand: Wenn Worte meine Waffe wären

Dieses Jahr ist ein gutes Jahr für starke Mädchen Bücher. Die derzeitige Vielfalt an feministischer Jugendliteratur ist einfach toll.

Und das Schlimme ist, dass ich euch noch keines davon vorgestellt habe. Mein altes Problem: vor lauter Begeisterung habe ich die Befürchtung nicht die richtigen Worte zu finden. Und dabei geht es in den Büchern doch darum, seine eigene Stimme zu finden!

Also muss ich mich mal ein bisschen zusammenreißen und fange mal mit Kristina Aamand an:

Scheherazade steht ganz schön unter Druck, denn ihre Eltern haben Großes mit ihr vor, soll sie es doch mal besser haben und Ärztin werden. Deswegen geht sie auch auf eine Schule ausserhalb des sozialen Brennpunktviertels und ist dort die einzige Muslima an der Schule, das Kopftuchmädchen eben.

Und wenn sie dann Ärztin ist, kann sie all die Schlimmen Dinge ungeschehen machen, die ihre Eltern auf der Flucht aus ihrem Heimatland sehen und erleben mussten. Der schwer traumatisierte Vater zerbricht täglich mehr an seinen Ängsten und Schuldgefühlen und alle versuchen ihn nicht aufzuregen. Und so bleibt Scheherazade eben die brave gehorsame Tochter, die versucht alles Richtig zu machen, doch nach ihr fragt eigentlich niemand. Ihre einzigen Ausbrechversuche sind die von ihr gestalteten Zines, in denen sie darstellt, was sie bewegt und denkt.

 

Doch ihr Vater kommt ins Krankenhaus und auf dem Krankenhausflur lernt sie Thea kennen, die so ganz anders ist als sie. Die Dinge ausspricht, die andere nur denken und kein Blatt vor den Mund nimmt. Und plötzlich ist da jemand, der ihr zuhört und sie ernst nimmt und ihr hilft sich und die Welt neu zu entdecken.

 

„Wenn Worte meine Waffe wären“ hat mich beeindruckt, denn ganz ehrlich, haben wir wenig Ahnung von der Lebensrealität junger Muslima, die hin und hergerissen zwischen  Familie und ihren eigenen Wünschen versuchen ihren Platz in der Welt zu finden.

Sehr geschockt hat mich Sohanes Geschichte, die später im Buch nur noch einen sehr krassen Ausweg sieht. Und wie sehr habe ich die ganze Zeit mit Scheherazade gelitten, die so sehr für ihren Weg und ihre Liebe kämpfen muss, denn eine Frau zu leiben kommt einer Todsünde gleich und sie wird von ihrer Mutter verstoßen.

Es ist schwer die Eindrücke zu vermitteln, ohne die wichtigen Turning Points des Romans zu verraten.

Was das Buch für mich auf jeden Fall war, ist ein Blick über den Tellerrand und ein kleiner Schritt in die Welt von Scheherazade und vielleicht somit auch in den Alltag junger Frauen mit Migrationshintergrund.

Habt den Mut eure Stimme zu erheben, denn sie ist es wert gehört zu werden!!!

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Kristina Aamand: Wenn Worte meine Waffe wären

Aus dem Dänischen von Ulrike Brauns

Dressler Verlag

288 Seiten · gebunden
ab 12 Jahren
EUR 16,00
ISBN-13: 978-3-7915-0098-0