Spiegelkind – Alina Bronsky

Die 15jährige Juli ist ein normaler Teenager.
Und das ist auch besser so, in einer Welt in der Normalsein alles ist. Wer von der Norm abweicht, ist ein Freak, ein Aussätziger, der Bodensatz der Gesellschaft.
Doch alles ändert sich, als Julis Mutter plötzlich verschwindet und es keinen zu stören scheint. Den Vater nicht, die Großmutter nicht und auch die Polizei rührt keinen Finger, obwohl alles nach einer Gewalttat aussieht. Und Juli fängt an zu zweifeln. Und stellt Fragen. Und erfährt in einem Streit mit ihrem Vater, dass ihre Mutter eine Phee ist, zu jenen Geschöpfen, die von den Freaks vergöttert und den Normalos verachtet werden.
Mit diesem Wissen, eine Pheentochter zu sein, forscht Juli nach ihrer Herkunft und stellt dabei alles in Frage, was bisher für sie normal war.
Zusammen mit ihrer neuen Freundin Ksü und deren Bruder macht sie sich auf die Suche nach ihrer Mutter.

Ein unglaublich fesselndes Buch, das ich nicht mehr aus der Hand legen konnte und sehr gespannt auf die Fortsetzung bin.
Liebe Frau Bronsky, bitte schreiben Sie schnell!!!!!

Arena Verlag
304 Seiten, €14,99

Dark Angels Summer

Lieber arena Verlag,
ich habe euch Unrecht getan. Euer TopTitel „Dark Angels Summer“, den ich für doof, nicht ansprechend, blödes Cover, dämliche Autorenvita…usw hielt, hat mich gerade doch sehr umgehauen. In einem Stück gelesen, nur unterbrochen durch zwingende Lebenserhaltungsmaßnahmen. 
Es ist die Geschichte der Schwestern Dawna und Indie, die mit ihrer esoterisch mehr als angehauchten durchgeknallten Mutter auf die Farm ihrer verstorbenen Großmutter zurückkehren und dort Stück für Stück lernen, dass hinter ihren Kindheitsspielen und Erinnerungen doch mehr steckt, als sie dachten.
Trotzdem unterschreibe ich weiterhin alle oben genannten Kritikpunkte!
Und kleiner Tipp an alle Verlage: Lasst doch endlich diesen Frauenprofilscheiß auf den Covern. Unterscheidet euch und macht nicht immer diesen Einheitsbrei. Die Leser finden eure Schätze auch ohne optische Hilfe. Im Gegenteil, viele schreckt es (wie in meinem Fall) eher ab.

PS: Die Autoren schreiben unter Pseudonym. Und man ist überrascht, wenn man erfährt, wer dahinter steckt.

 

Das Mädchen mit den gläsernen Füßen

Das Leben ist grausam und hoffnungslos!
Das ist jedenfalls das Gefühl, das Ali Shaws „Das Mädchen mit den gläsernen Füßen“ gerade bei mir hinterlässt.
Alle Charaktere haben mit Verlusten zu kämpfen, lassen sich von der Vergangenheit zu sehr beeinflussen und stehen ihrem Glück mehr oder weniger selbst im Weg. Das ganze in einer Landschaft, die aus Schnee und Eis und Kälte besteht und dabei so unwirklich und zerbrechlich wirkt, wie Ida, das besagte Mädchen mit den gläsernen Füßen, die sich langsam vollständig in Glas verwandelt. Zwischendurch kreuzen so fantastische Dinge wie geflügelte Minirinder den Weg, aber am Schluss des Buches bleibt die Frage, woher sie kommen und was genau mit dieser Insel ist weiterhin der Fantasie des Lesers überlassen.
Sprachlich und erzählerisch ein wunderbares Buch, aber man muss sich darauf einlassen.

Wer hier einen Romantasy (wie dämlich doch dieses Wort ist)Schmöker à la Twilight u.ä. erwartet, wird sehr enttäuscht sein. Wer die Irrealität von Tim Burton oder Edward mit den Scherenhänden mag, wird Gefallen daran finden. Mich hat es trotz aller Trostlosigkeit verzaubert.

script5
€19,95

Frau Redlichs Buchmesse

Die Leipziger Buchmesse ist schon wieder fast vorbei, aber dann mache ich einfach hier weiter. Und zwar mit den Frühjahrsneuerscheinungen. Fast alle bereits im Januar gelesen, aber jetzt darf man endlich auch darüber sprechen.
Eines der schönsten Kinderbücher dieses Frühlings kommt von Kirsten Boie:
„Der Junge, der Gedanken lesen konnte“

Valentin zieht mit seiner Mama in den Sommerferien um, da sie für eine Drogeriemarktkette arbeitet und versetzt wurde. Also muss Valentin erst mal alleine die neue Gegend erkunden und landet irgendwann auf dem Friedhof. Dort lernt er eine Menge wunderbarer Menschen kennen.
Zum Beispieö die Schilinskys, die ihr Doppelgrab einfach schon zu Lebzeiten als Schrebergartenersatz nutzen und sich täglich mit Nudelsalat und Schlagermusik dort einfinden um den Sommer zu genießen.
Oder Dicke Frau, die immer mit ihrem Einkaufswagen über den Friedhof zieht und Sachen vor sich hinmurmelt. Und Herr Schmidt, der täglich seine bereits verstorbene Frau besucht.
Als Bronislaw, der Friedhofsgärtner, niedergeschlagen wird und Valentin feststellt, dass er die Gedanken anderer Menschen sehen kann, überschlagen sich die Ereignisse und Valentin versucht auf eigene Faust den Täter zu finden.
Kirsten Boie zeigt mit diesem Buch einmal mehr, dass sie die Welt durch Kinderaugen sieht und auch immer die Veränderungen erkennt. Erstaunlich ist, dass in diesem Buch fast nur Migrantenkinder zu Wort kommen. Valentin, der aus Russland stammt und mit seiner Mutter auch ein wenig von dort geflohen ist. Mesut, der auch mit in dem Hochhaus lebt und der irgendwie ganz verloren wirkt zwischen Tradition und Moderne.
Frau Boie fängt viele aktuelle Misstände in diesem Buch ein, betrachtet diese aber aus Kindersicht, zum Beispiel wie es ist, wenn Mama alleinerziehend ist, aber bis 21 Uhr arbeiten muss.
Es ist ein wunderbar spannendes Buch zum lachen, zum Weinen und zum Mitfiebern. Illustriert von Regina Kehn, die die jeweiligen Stimmungen und sogar die enorme Hitze des Sommers in ihren Bildern einfängt.
Kirsten Boie
Der Junge, der Gedanken lesen konnte
Oetinger Verlag
320 Seiten, €14,95