Herzsteine – Hanna Jansen

Sam soll mit seiner Familie für ein Jahr von Hamburg nach Sylt ziehen, da seine Mutter Fe immer wieder mit Angstzuständen zu kämpfen hat. Fe kommt aus Ruanda und ist 17 Jahre zuvor, vor dem Genozid in ihrer Heimat geflohen. Die Erinnerungen daran bestimmen immer mehr ihr Leben. Deswegen der Umzug, raus aus der Stadt auf die ruhigere Insel.
Sam ist überhaupt nicht begeistert, aber er lebt sich in der neuen Schule und Umgebung ein und lernt Enna kennen, deren Mutter sozusagen die Inselhexe ist.
Dann beschließt Fe, dass sie zurück muss nach Ruanda, alleine, um sich ihrer Vergangenheit zu stellen. Denn sie fühlt sich schuldig, dass sie lebt.
Sam und sein Vater kommen nach einiger Zeit nach und Sam lernt das Land kennen, dass irgendwie auch seine Heimat ist.

Herzsteine ist das Buch, dass mich dieses Jahr am meisten ergriffen hat. Sams und Fes Geschichte erzählen die beiden abwechselnd, wobei man als Leser am Anfang nicht weiss, dass diese zweite Person Fe ist. Ihre Geschichte schockiert einen und lässt einen über Tage nicht mehr los. Der Genozid in Ruanda ist noch nicht einmal zwanzig Jahre her und somit wirklich aktuelle Geschichte, die einen schnell an die Judenverfolgung denken lässt. Immer wieder wird gesagt, das so etwas nicht wieder passieren darf oder kann, aber leider doch tagtäglich in anderen Formen noch immer geschieht.

Hanna Jansen ist eine fantastische Erzählerin, die weiss wovon sie spricht, da sie selbst vierzehn Kriegswaisen, unter anderem auch aus Ruanda aufgenommen hat und somit auch die Geschichte ihrer Kinder erzählt.
Bitte lesen, lesen, lesen!
Frau Jansen wird im Juni auch nach Remscheid zu einer Lesung kommen.

Peter Hammer Verlag
195 Seiten
€14,90

Ersehnt – Cate Tiernan

Ersehnt ist die Fortsetzung von Entflammt, das bereits 2011 erschien.
Nastasja, kurz Nasty, ist eine Unsterbliche, die ihr langes Leben damit verbringt von Party zu Party zu stolpern und die Welt im permanenten Vollrausch zu erleben. Dies ändert sich, als ihr bester Freund Incy einen Sterblichen aus einer Laune heraus umbringt. Nasty sondert sich von ihren Freunden ab und landet auf Rivers Farm, sie eine Art Gehab Center für Unsterbliche mit Burn-Out betreibt. Dort trifft Nasty auf Reyn, den sie sehr anziehend findet, aber meint irgendwoher zu kennen.

Jetzt geht die Geschichte um Nastasja weiter. Sie befindet sich noch immer auf Rivers Hof und versucht eine gute Unsterbliche zu werden und gleichzeitig ihr Herzkuddelmuddel mit Reyn zu lösen. Kann man den Menschen lieben, der deine ganze Familie abgeschlachtet hat?
Doch leider taucht ihre Vergangenheit in Form von Incy wieder auf und bringt das Chaos zurück.

Cate Tiernan schreibt so herrlich rotzig! Nasty führt sich trotz ihrer hunderten von Lebensjahren auf wie ein verzogener Teenager. Dadurch hat man das Gefühl eigentlich ein Tagebuch zu lesen und durchlebt sämtliche Höhen und Tiefen in ihrem unsterblichen Leben.


Loewe Verlag
399 Seiten
€17,95
Das ist übrigens mal wieder ein ganz besonders scheußliches Cover, welches auch nicht sehr viel mit dem  Buch zu tun hat.

 

Wir können alles verlieren. Oder gewinnen – Seite Parkkola

„Ich heiße Taifun und bin zwölf. Kein schlechtes Alter eigentlich. Und trotzdem kann es für einen Jungen die schlimmste Zeit überhaupt sein. Schlimmer, als wenn dich Organhändler entführen oder du lebenslänglich nachsitzen musst. Zwölf Jahre zu sein ist wie der Auffahrunfall von zwölf Autos. Oder wie eine Achterbahn, die ausgerechnet dann stoppt, wenn du kopfüber in der höchsten Kurve hängst.“

Und insofern interessiert sich Taifun auch nicht für viel. Seine Eltern haben sich getrennt, sein Vater hat eine neue Freundin, die auch schon mit ihrer Tochter bei diesem lebt. Nur sein Skateboard bedeutet Taifun alles. Aber genau das muss er als allererstes in seiner neuen Schule, dem „Haus der Möglichkeiten“ abgeben. Und irgendetwas scheint mit dieser Schule nicht zu stimmen: die Schüler erwartet erniedrigende Strafen und totale Schikane bei den meisten Vergehen. Von vielen Schülern wird nur noch heimlich gesprochen, da sie nach Auffälligkeiten einfach verschwanden.
Eine dieser Schüler, India, lernt Taifun zufällig in einer leerstehenden Fabrik kennen. Gemeinsam nehmen sie den Kampf gegen das Haus der Möglichkeiten auf.

Spannend geschriebenes Jungenbuch, das einen atemlos beobachten lässt, wie sich die Geschichte immer mehr zum Mysterythriller aufbaut. Und hat bestimmt auch das Zeug zur Schullektüre.

Beltz Verlag
334 Seiten
€ 14,95

Spiegelkind – Alina Bronsky

Die 15jährige Juli ist ein normaler Teenager.
Und das ist auch besser so, in einer Welt in der Normalsein alles ist. Wer von der Norm abweicht, ist ein Freak, ein Aussätziger, der Bodensatz der Gesellschaft.
Doch alles ändert sich, als Julis Mutter plötzlich verschwindet und es keinen zu stören scheint. Den Vater nicht, die Großmutter nicht und auch die Polizei rührt keinen Finger, obwohl alles nach einer Gewalttat aussieht. Und Juli fängt an zu zweifeln. Und stellt Fragen. Und erfährt in einem Streit mit ihrem Vater, dass ihre Mutter eine Phee ist, zu jenen Geschöpfen, die von den Freaks vergöttert und den Normalos verachtet werden.
Mit diesem Wissen, eine Pheentochter zu sein, forscht Juli nach ihrer Herkunft und stellt dabei alles in Frage, was bisher für sie normal war.
Zusammen mit ihrer neuen Freundin Ksü und deren Bruder macht sie sich auf die Suche nach ihrer Mutter.

Ein unglaublich fesselndes Buch, das ich nicht mehr aus der Hand legen konnte und sehr gespannt auf die Fortsetzung bin.
Liebe Frau Bronsky, bitte schreiben Sie schnell!!!!!

Arena Verlag
304 Seiten, €14,99

Dark Angels Summer

Lieber arena Verlag,
ich habe euch Unrecht getan. Euer TopTitel „Dark Angels Summer“, den ich für doof, nicht ansprechend, blödes Cover, dämliche Autorenvita…usw hielt, hat mich gerade doch sehr umgehauen. In einem Stück gelesen, nur unterbrochen durch zwingende Lebenserhaltungsmaßnahmen. 
Es ist die Geschichte der Schwestern Dawna und Indie, die mit ihrer esoterisch mehr als angehauchten durchgeknallten Mutter auf die Farm ihrer verstorbenen Großmutter zurückkehren und dort Stück für Stück lernen, dass hinter ihren Kindheitsspielen und Erinnerungen doch mehr steckt, als sie dachten.
Trotzdem unterschreibe ich weiterhin alle oben genannten Kritikpunkte!
Und kleiner Tipp an alle Verlage: Lasst doch endlich diesen Frauenprofilscheiß auf den Covern. Unterscheidet euch und macht nicht immer diesen Einheitsbrei. Die Leser finden eure Schätze auch ohne optische Hilfe. Im Gegenteil, viele schreckt es (wie in meinem Fall) eher ab.

PS: Die Autoren schreiben unter Pseudonym. Und man ist überrascht, wenn man erfährt, wer dahinter steckt.