Where are you christmas??

Das ist das erste Jahr für mich ohne Weihnachtsgeschäft. Und ich muss zugeben, dass ich irgendwie null in Weihnachtsstimmung bin. Anscheinend verbinde ich Weihnachten dann doch mit Extrem-Geschenkeeinpacken.
An dieser Stelle einen lieben Gruß an alle Buchhändler da draussen. Ihr macht einen großartigen Job! Viel Kraft und Ausdauer für den Endspurt und danach (natürlich auch für alle Nicht-Buchhändler) ein wundervolles und entspanntes Weihnachten!

amazons Machenschaften und die Folgen

Seit Tagen gibt es in Buchhandelskreisen ein großes Thema: amazon. Denn der Fernsehbericht hat noch einmal wachgerüttelt und u.a. einen Riesen shitstorm auf facebook provoziert.Aber auch die Verlage machen sich Gedanken und handeln auch. Deswegen möchte ich euch das Kündigungsschreiben von André Thiele, dem Verleger des VAT Verlages nicht vorenthalten.
Denn dort erfährt man nochmal viele Aspekte, die ausserhalb des Buchhandels nicht so bekannt sind.
Und ich gratuliere Herrn Thiele und auch Herrn Schroer zu diesem mutigen Schritt.
Ich bin gespannt, ob auch die „großen“ Verlage folgen werden.

Hier nun der Text (nachzulesen auch unter http://www.vat-mainz.de/kuendigung-amazon.php)


KÜNDIGUNG AMAZON

Mainz, den 18. Februar 2013
Kündigung des Kooperationsvertrages
Händlercode VEID6

Sehr geehrter Herr Bezos,
sehr geehrte Damen und Herren,

ich habe mir ein paar Tage Zeit gelassen, um meinen Entschluss nach dem Bekanntwerden dessen, was mittlerweile wohl tatsächlich »der« Amazon-Skandal geworden ist, gründlich zu überdenken.

Mein Verlag ist kein Verlag für »Nein-Sager«. Billige Werbeeffekte, Boykotte, triumphierende Wichtigtuerei, all das liegt mir fern.

Trotzdem muss ich nun »Nein« sagen: Nein zu unserer weiteren Zusammenarbeit.

Ich kündige hiermit den zwischen Ihnen und mir 2008 geschlossenen Kooperationsvertrag für den VAT Verlag André Thiele zum nächstmöglichen Zeitpunkt.

Dabei will ich nicht so tun, als geschähe dies allein aufgrund der allerdings erheblichen Empörung über die unglaublichen Bedingungen, mit denen Sie dem bekannten ARD-Bericht zufolge Ihre Mitarbeiter behandeln.

Seit 2008 habe ich die katastrophal schlechten Konditionen, die Sie mir als Kleinverleger gewährten, »geschluckt«. Der Kollege » Christopher Schroer aus Berlin hat diese in seiner Pressemitteilung vom 15. Februar zusammengefasst, ich ergänze um ein paar Punkte:

50 % Rabatt, zzgl. 5 % Lagermiete, zzgl. Portokosten, zzgl. Jahresmitgliedsgebühr, zzgl. nahezu jedesmal für mich nicht nachvollziehbare zusätzliche Abzüge bei der verbleibenden Summe.

De facto dürfte sich allein hieraus ein »Rabatt« zu Ihren Gunsten von über 65 % ergeben. Von den verbleibenden 35 % – wenn es denn bei denen bliebe! – soll ich den Druck und die Autoren bezahlen? Träumen Sie?

Das alles vor dem Hintergrund, dass wir selbst die monatliche Rechnung mühsam ausstellen und zusenden müssen. Schon geringste Fehler in dieser wurden von Ihrer Rechnungsabteilung als Vorwand benutzt, wiederum erst etliche Wochen später auszuzahlen, obwohl Sie sowieso schon sehr spät auszahlen.

Wir müssen alle unsere Produkte in Ihrem Warenwirtschaftssystem selbst einpflegen, Fehler werden nur mit extremer Zeitverzögerung korrigiert und dann meist wiederum falsch. Sie senden Bücher ohne Lieferschein und Begründung zurück – und bestellen oftmals am selben Tag dieselben Bücher erneut, was vollkommen unnötigen Portoaufwand bedeutet.

Ihre Mitarbeiter am Telefon wechseln ständig, sind oft des Deutschen kaum mächtig, reden in Standardformeln und lösen die Probleme, die üblicherweise Sie verursacht haben, in der Mehrzahl der Fälle nicht.

Seit 2008 habe ich Sie immer wieder schriftlich auf diesen Wahnsinn aufmerksam gemacht und Ihnen gesagt, dass ein Geschäftsmodell, das darauf beruht, dass am Ende einer der beiden Partner draufzahlt, nicht funktionieren kann. Es hat sich nichts geändert. – So viel zu Ihrer Anpassungsfähigkeit.

Mag sein, dass Sie großen und etablierten Verlagen andere Konditionen bieten, man hört da so einiges. Und von denen hört man wiederum auch jetzt, nach dem Skandal, nichts Negatives über Amazon, was darauf schließen lässt, dass sie fröhlich und zufrieden sind. Das freut mich!

Wir jedenfalls werden nie ein solcher großer und etablierter Verlag, wenn wir uns auf Konditionen einlassen, wie wir sie uns von Ihnen haben aufzwingen lassen.

Nun ist aber der Mensch in nahezu beliebigem Umfang zur Sebsttäuschung fähig. Und so habe ich mich immer wieder selbst mit verschiedenen Argumenten überzeugt, dass es doch wichtig sei, mit einem zukunftsträchtigen Unternehmen wie dem Ihren zusammen zu arbeiten.

Aber der Punkt ist – und das ist es, was der ARD-Bericht zutage gebracht hat –, dass Sie keine Zukunft haben.

Ein Geschäftsmodell im Vertrieb, das weder den Lieferanten noch den eigenen Mitarbeitern die Luft zum Atmen lässt, hat keine Zukunft.

Wer soll denn meine Bücher kaufen? Ihre misshandelten Leiharbeiter etwa? Da lachen ja die Hühner. Und die Nazi-Schläger, die Sie laut ARD eingesetzt haben, lesen, fürchte ich, meine Bücher auch nicht.

Eines aber muss ich Ihnen lassen: Ihr System funktioniert prima! Zwanglos herumstöbern, ein Buch aussuchen, bestellen, es in einem oder zwei Tagen portofrei in Händen halten – großartig!

Leider sind Sie damit nicht allein auf weiter Flur. Wir haben dieses System in Deutschland schon seit langem, bis hinein ins kleinste Dorf. Es nennt sich: der Buchhandel.

Dort arbeiten kompetente Menschen mit Herz und Verstand daran, unsere anspruchsvollen Bücher einem interessierten Publikum nahe zu bringen. Hier begegnen wir als Kleinverlag, wenn wir denn gut genug sind, auch großen und etablierten Verlagen auf Augenhöhe.

Auch im Buchhandel werden keine riesigen Gehälter gezahlt, aber doch welche, von denen man leben kann. Und keiner muss sich vor Nazi-Schlägern fürchten, weil er nicht spurt.

Und im Buchhandel bekommt man noch etwas, was man bei Ihnen ganz sicher nicht bekommt: kompetente und individuelle Beratung. Diese mögen Ihre Algorithmen nachäffen, so viel sie wollen, sie können sie nicht ersetzen.

Ich und meine Mitarbeiter werden die Zeit und die Mühe, die wir bisher mit der Pflege Ihres schrecklichen Warenwirtschaftssystems verschwendet haben, dafür einsetzen, unser Angebot für den Buchhandel attraktiver zu machen – und für unsere Leser.

Bitte bestätigen Sie mir den Erhalt der Kündigung schriftlich.

Mit freundlichen Grüßen,

André Thiele
VAT Verlag André Thiele

Technikbegabt

Und wiedermal ein Kinderpost!
Wir hatten heute Besuch von einem kleinen Kapuzenmännchen im Alter von ca 3-4 Jahren, das zielstrebig nach oben kam, den vollbepackten Gitterwagen versuchte zu verschieben. Leider (bzw zum Glück) verschob sich dieser keinen millimeter. Also schnurstracks zum gerade frei gewordenem Arbeitstisch auf Rollen, an dem ein bisschen rumgeschoben, langweilig gefunden, umgeguckt, meinen freien Stuhl am PC entdeckt und natürlich versucht hochzuklettern.
Bevor etwas passieren konnte, habe ich mal schnell ein bisschen geholfen. Also den kleinen Mann die Sitzfläche durch ein Lexikon erhöht, Words aufgemacht und ihn mal arbeiten lassen!

Worauf wir nicht gefasst waren ist, dass der Minitechniker durch Zufall eine uns bis dahin unbekannte Tastenkombi trifft und unsere Bildschirmdarstellung einfach mal auf den Kopf dreht!

Der Kollege und ich sind vor Lachen fast umgefallen. Versucht mal mit eurer Maus zu arbeiten, wenn alles kopf steht. Aber wir haben es wieder hinbekommen. Und das Kapuzenmännchen durfte seine harte Arbeit ausgedruckt mit nach Hause nehmen. 🙂

Kinder sind wundervoll

Heute habe ich zwei achtjährige Jungs dabei erwischt, wie sie einen Erotik-Bildband durchblätterten. Kichernd rannten sie weg und dabei an einem etwa gleichaltrigen Jungen und dessen Mama vorbei.

Er wollte dann von mir wissen, warum die Jungs so lachen mussten und ich erklärte es ihm.
Man sah, dass er das komplette Kundengespräch darüber nachdachte, da immer mal ein „Jungs sind manchmal komisch.“ oder ähnliches von ihm kam.
Als ich dann mit seiner Mama an der Kasse stand, sagte er auf einmal:
“ Mein Papa schaut sich auch immer nackte Frauen auf seinem Handy an und kriegt dann Ärger von Mama“

Die Mutter wäre am liebsten vor Scham im Boden versunken und ich konnte mir das Lachen kaum verkneifen. Aber als er dann noch ganz unschuldig fragte, ob er das nicht hätte sagen dürfen, war es um mich geschehen. 🙂

Berlin besteht aus Buchhandlungen

Ja wirklich!
Und damit ihr mir glaubt, habe ich Fotos gemacht von den Besonderen & Schönen.

Direkt die allererste hat mich total begeistert: Die buchbox am Prenzlauer Berg. Mit einer wunderbaren Geschichte, denn sie entstand mehr oder weniger auf dem Flohmarkt. Frische Farben, tolle Autorenauswahl (z.B. meinen geliebten Jasper Fforde, den man sonst kaum sieht), ein wunderbares Café und ein Ort zum Wohlfühlen. Im Netz übrigens hier zu finden: http://www.buchboxberlin.de

Leider ist das Foto des Café nichts geworden. 😦 Aber es war schön!

 Sonntag bin ich nochmal hingeflitzt, um noch ein paar Fotos zu machen.
Nettes Team
Sonntagsbild
Gar nicht soweit entfernt von der helmibox ist das wunderbare Goldhahn & Sampson, eine Kochbuchhandlung/ Delikatessenladen/ Kochschule. Unter andern fand ich dort eine französische Maronencreme, die ausserhalb von Frankreich nur sehr schwer zu bekommen ist. Und eben Unmengen an Kochbüchern auf deutsch und auf englisch, Tee, verschiedenste Pfeffersorten, frischen Kuchen, Schokolade, exquisite Weine….yummie!
Alles Kochbücher!
Noch mehr Kochbücher!!
Genau!
 Schaut euch den wunderbaren Leuchter an!
 Lecker Kuchen
 Lecker lecker Vanilleschoten
Und hinten befindet sich die Kochschule mit einem Riesenangebot. Welche Kurse es genau gibt, erfahrt ihr auf der homepage: http://www.goldhahnundsampson.de/shop/
Am nächsten Tag gab es erstmal Frühstück bei Suicide Sue:
(Die haben pancakes!!)
Extrem cooler Zwerg
Extrem nettes Personal
Extrem tolle Holzkisten an den Wänden uuund
Extrem super leckeres Biobrot mit selbstgemachten Aufstrichen.
Aber eigentlich ging es ja um Buchhandlungen. Also zurück zum Thema…eine der tollsten Buchhandlungen hat ja gerade erst vor kurzem in Berlin eröffnet: Ocelot in der Brunnenstraße.
Ohne viel Brimborium gibt es hier Literatur, neue Medien, Platten, Graphic Novels und guten Kaffee an einem Ort. Und alle verstehen sich ganz wunderbar miteinander und trotzdem ist jedes für sich etwas Besonderes.
Viel Platz für schöne Bücher.
Interessante Beschriftungen
Die Einrichtung lädt geradezu zum zugreifen, hinsetzen und blättern ein.
Und Kaffee & Kuchen gibt es auch.
Von ocelot aus ging es mit kleinen Schlenkern zu den Hackeschen Höfen. Dort fällt mir als erstes artificium ins Auge. Also schnell rein und nach kurzem umsehen direkt wieder raus. Zu seelenlos, zu elitär, aber gleichzeitig auch zu Touri.
😦
Komisches Geschwafel von komischen Kunden.
Nur ein kleines Stück weiter liegt gestalten.
gestalten ist eben all das, was artificium vorgibt zu sein, aber nicht ist. Cooler Laden, tolles Design, tolle Auswahl und hinten sogar noch eine Ausstellungsfläche. Besuch lohnt sich!
Viel schöner Schnickschnack als Kunst getarnt.
Achtung! Richtige Kunst!
Achtung! Falsche Handgranate!
Bücher ❤
Und direkt gegenüber ist dann passend zur Mittagszeit Barcomi´s Deli.
Cynthia Barcomi ist diese liebenswerte Amerikanerin, die uns mit so tollen Backbüchern beglückt. Und in Berlin eben auch mit Essen.
Vegetarische Gemüselasagne
Weisheiten in Snapple-Deckel
Kaffeebohnen to go!
Und auch Wuppertal ist hier vertreten, denn direkt an der Wand von gestalten, hängt diese fulminante Weisheit von Bazon Brock.
Und nur einmal um die Ecke lag dieses wunderbare Buch in einem der Bürofenster

Gestärkt und mit Fahrkarte versehen, fahren wir nach Pankow um endlich Wiebke Schleser in ihrem Buchsegler zu besuchen und werden direkt vor der Türe von Wiebkes Sohn mit den Worten “ Mein Papa macht auch Fotos!“ begrüßt.
Wiebkes kleine feine Buchhandlung ist dieses Jahr zum Beispiel mit dem Gütesiegel Leseförderung 2012/2013 ausgezeichnet worden und das ist nur eine von vielen nennenswerten Preisen.
Ausserdem hat sie mit die schönsten Schaufenster der Welt!

Da ist er, der Buchsegler!
Schaufensterkunst
Und da sind ganz viele meiner Favoriten dabei.
Wann blüht eigentlich der Zuckertütenbaum? Wobei das ja Kuschültüten sind, die danach zu Kissen werden.
Noch mehr Schaufensterkunst!
Schaut euch unbedingt die Veranstaltungen des Buchseglers an. Wiebke und ihr Team leisten großartige Arbeit!
A propos Schultüte! Der eigentliche Grund für den Berlinbesuch ist Tomte, der eingeschult wurde! Deswegen gab es auch einen Tag Buchhandlungspause um ganz viel zu feiern.
So groß ist er schon und ruckzuck hat er Abi!
Und wegen der ganzen Feierei war es auf einmal Abend und dann Sonntag und alle Buchhandlungen hatten zu. 😦  Deswegen konnten wir einen Tipp nur von außen anschauen.
Prior & Mumpitz
Auch schön wieder am Prenzlauer Berg.
Der erste Eindruck ist schon mal ganz nett!
So einfach ist das!
Und wer direkt drei Bücher des großartigen Peter Hammer Verlages im Schaufenster hat, kann gar nicht schlecht sein. Lustigerweise hatten alle Buchhandlungen, die mich begeisterten auch die Peter Hammer Bücher vorrätig! Nehmt das mal als Qualitätsmerkmal. 😉
Zwei Sachen muss ich noch loswerden:
1. Dussmanns ist doof! Bin rein, bekam die Krise und bin direkt wieder raus. Groß, unübersichtlich, groß und voll, seeeehr voll. Okay, es gibt einen kleinen Punkt für die English Bookstore Ecke und die Wandbepflanzung. Rest: doof!
Pflanzen toll
Rest doof
Und 2. tollster Kaffee, beste Sandwiches und frechste Spatzen gibt es hier:
mal wieder direkt am Helmholtzplatz
Sooooo schön!
Puh, vier Tage waren viel zu wenig! Und geschafft habe ich eigentlich nur Prenzlauer Berg und nähere Umgebung. Und da gibt es noch soviel mehr! Ich muss bald zurück nach Berlin, denn irgendwie hat diese Stadt ein wenig mein (Bücher-)Herz erobert.